Von Osterfedern und Maiblumen

Puschelfedern am Osterreisig, Foto: Katja

Es ist ja, wie so oft: Manchmal benehmen sich Einwanderer wie die besseren Schweden… In meinem zweiten Jahr als schwedischer Neubürger weiß ich so in etwa, wie das hier mit den Feiertagen läuft. Habe mir die Sitten und Gebräuche abgeguckt und ahme ganz unverblümt nach. Wie jetzt zu den bevorstehenden Feiertagen! Zwei Dinge, die in Schweden zum Frühling gehören wie Lucia zu Weihnachten sind: Osterfedern und Maiblumen.

Die bunt eingefärbten Federn sind der standardmäßige Osterschmuck am sogenannten Oster-Reisig – und schlagen selbst die allgegenwärtigen Ostereier um Längen in der Beliebtheit. Da die Reisige, meistens Birkenzweige, sehr kahl in den Handel kommen und kaum vor Ende des Osterfestes zu sprießen beginnen, werden sie mit weichen Federn behängt. Man wickelt die bunten Puschel mit Draht um das Ende des Zweigs und bildet so gleichsam einen Osterstrauß mit künstlichen „Blättern“.

Maiblumen-Pin an der Winterjacke, Foto: Katja

Das andere Frühlingsphänomen sind die Maiblumen. Sie sehen jedes Jahr anders aus – doch ihr Zweck ist immer der Gleiche: Der Erlös aus ihrem Verkauf kommt über eine Stiftung Kindern aus armen Familien zugute. Um den wohltätigen Zweck glaubhaft zu machen, übernehmen Scharen von Schulkindern den Verkauf – in ihrer Freizeit und mitten auf der Straße.

Als misstrauischer Deutscher vermutet man ja zuerst immer Nepp: Von Mitte April bis Ende Mai läuft das Jungvolk mit einem kleinen Bauchladen voller billiger Sticker und Pins herum und fragt die Leute von der Seite: „Vill du köpa majblommor?“ Doch dann hab‘ ich mir die Maiblumen-Chose erklären lassen. Und in diesem Jahr wurde mir gleich am ersten Tag des offiziellen Verkaufs eine Maiblume aufgeschnackt. „Du bist mein erster Kunde“, freute sich die kleine Verkäuferin. Für 50 Kronen habe ich jetzt einen Blumen-Pin auf meiner Winterjacke – ein klares Zeichen, dass der Frühling kommt.

Ob die Maiblumen-Stiftung im Sozialstaat Schweden heute noch zeitgemäß ist – dazu gibt es regelmäßig kritische Leserbriefe und Kommentare. Aber eine 100 Jahre alte Tradition, die hilft und dazu noch die Sammelleidenschaft anregt, – einige Familien bewahren Maiblumen der letzten drei Generationen auf! – die lässt sich nicht so einfach wegdiskutieren. Schließlich werden auch jedes Jahr die Bäume wieder grün. In diesem Sinne: Genießt den Frühling!

Info zu den Maiblumen: www.majblomman.se

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  1. Katja sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele! Ich war auch zuerst skeptisch und jetzt im 3. Jahr meines Lebens in Schweden habe natürlich auch ich die 50 Kronen Variante stolz an meiner Frühlingsjacke und von der Federpracht habe ich sogar schon meine Mutter in Deutschland überzeugen können. 🙂 Ob ich wohl dieses Jahr auch wieder ganz entzückt auf die kleinen Hexen gucken werde?! Ich hoffe zumindest, eine zu treffen!

  2. irni sagt:

    Maiblumen sind dasselbe wie die Fastensammlung der Kirche in Österreich, ein Muss. Das gehört einfach dazu! Ohne eine Maiblume am Knopfloch wird man sofort als Nichtschwede entlarvt.
    Bei mir wird das Osterreisig nie in Wasser gestellt aus Rücksicht auf alle Allergiker und es hängen auch ausgeblasene und bemalte Eier, Kücken zusammen mit den bunten Federn. Ein Kompromiss eben zwischen dem traditionellen heimatlichen Osterbaum und Påskris.

  3. Pingback: Ostertage › Nordwärts

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