Stångaspelen – Olympische Spiele auf Gotland

Fischerhütte auf Gotland. Foto: vondoe40 (Mike Bohle) /flickr.com (CC BY 2.0)

Fischerhütte auf Gotland. Foto: vondoe40 (Mike Bohle) /flickr.com (CC BY 2.0)

Alljährlich ist Gotland am zweiten Juliwochenende im Bann der Olympischen Spiele: Vier Tage stehen im Zeichen der Stångaspelen – Gutarnas olymp, der „Olympiade von Gotland“. Dann messen sich die mehr als 2000 Teilnehmer in traditionellen gotländischen Wettkämpfen. Tausende Schaulustige bevölkern das kleine Örtchen Stånga, feiern ihre sportlichen Helden – ein Fest für die ganze Familie.

Es sind vor allem Einheimische, die in Scharen in den Südosten Gotlands pilgern. Obwohl die Insel Touristenmagnet ist, bleiben die Gotländer bei ihren „Olympischen Spielen“ unter sich.

Gutarnas olymp – Eine traditionsreiche Veranstaltung

Seit 1924 werden die Spiele ausgetragen, doch lässt sich der Ursprung der Sportarten teils schon bei den Wikingern verorten. Vorläufer der „Gotland-Olympiade“ gab es bereits seit 1913 in Form großer Sportwettkämpfe. Diese standen unter der Schirmherrschaft eines eigens gegründeten Vereins. Zielsetzung: der Erhalt des traditionellen gotländischen Sports. Womit die Veranstaltung nicht nur ein sportliches Messen und Volksfest ist, sondern auch Kulturgut.

Seit den frühen Tagen ist, mit einigen Ausnahmen, das kleine Dorf Stånga im Südosten Gotlands Austragungsort der Wettkämpfe. Heute versammeln sich die Teilnehmer, Helfer und Zuschauer auf einem Areal, das 115.000 Quadratmeter umfasst. So groß wie neunzehn Fußballplätze.

Stångaspelen und Gutnisk femkamp

Während des viertägigen Sportfestes werden Disziplinen ausgetragen, wie die Kissenschlacht(!) der „Herren auf der Stange“ und Seil- oder Tauziehen. Im Mittelpunkt steht der Gutnisk fempamp – der Gotländische Fünfkampf. Hierbei treten die Athleten im 100-Meter-Lauf, Hochspringen, varpa, pärk und stängstörtning gegeneinander an.

Die ersten beiden Disziplinen sind geläufig. Etwas anders verhält es sich mit den folgenden, den traditionellen Sportarten.

Varpa oder varpkastning ist mit Abstand das populärste Spiel auf Gotland und eines der ältesten Schwedens. So fanden sich auf der Ostseeinsel schon in bronzezeitlichen Gräbern Varpa-Steine. Bei dem Sport geht es darum, eine diskusähnliche Wurfscheibe (die Varpa) aus Stein oder Metall so nah wie möglich an einen Holzstab zu platzieren. Die Wurfentfernung beträgt 20 Meter.

Pärk ist ein altes Ballspiel, wobei ein Ball aus gegerbter Schafshaut mit den Händen oder den Füßen gespielt wird. Das Spiel ähnelt dem französischen „Jeu de Paume“. Bei den Stångaspelen treten zwei Mannschaften mit jeweils sieben Spielern an. Ziel ist es so viel Spielfeld wie möglich zu gewinnen. Dabei schlägt die Außenmannschaft in ein kleines Feld, die Verteidiger, die Innenmannschaft versucht den Ball abzufangen und so weit wie möglich zu schlagen. Das Spielfeld ist 30 Meter breit aber unbegrenzt lang.

Schließlich das stängstörtning, das Baumstammwerfen oder Stangenstoßen. Es erinnert an die Highland-Games. Tatsächlich hat diese Sportart nur in zwei Regionen Europas bis heute überlebt: in Schottland und auf Gotland. Bei der gotländischen Olympiade ist es so etwas wie die Königsdisziplin.

Am Ende des spektakulären Fünfkampfes bleiben zwei Athleten übrig. Diese ringen – im wahrsten Sinne des Wortes – um den Gesamtsieg.

Autor: Mathias Grohmann – mathias_grohmann@web.de

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