Schweden-Blog

Erzählung einer Toten: Åsa Larssons Roman „Bis dein Zorn sich legt“

„Ich erinnere mich, wie wir gestorben sind.“ Åsa Larssons Roman „Bis dein Zorn sich legt“ beginnt mit einem wahren Hammer von Eröffnungssatz, der gleich ziemlich deutlich macht, dass man es hier auf keinen Fall mit einem 0815-Kriminalroman zu tun hat. Denn diejenige, die hier erzählt, ist eine Tote.

Ein Kunstgriff, der Larsson ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Denn die tote Wilma Persson ist weder durch Raum noch Zeit eingeengt und taucht so immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen im Roman auf, um die Geschehnisse aus ihrem Blickwinkel und mit ihrem Wissen zu schildern. So trifft sie auf Staatsanwältin Rebecka Martinsson und deren – ebenfalls bereits verstorbene – Großmutter. Sie beobachtet einen weiteren Mord oder beschreibt wie ihre eigene Leiche gefunden wird. Letzteres eine besonders eindringliche Szene.

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Familie Schimke: Auswandern an den Polarkreis

Logo der Vox-Dokusoap "Goodbye Deutschland"

Der ein oder andere beschwert sich ja immer mal wieder gern, dass die Qualität der Fernsehsendungen ständig weiter abnimmt. Die derzeit so beliebten Dokusoaps wie etwa „Goodbye Deutschland“ sind da für viele Zuschauer das höchste der Gefühle, muss man sich dort doch erst mit ansehen, wie Leute Deutschland mit einer kaum zu fassenden Arroganz beschimpfen, um dann im neuen Land kläglich zu scheitern. Es ist zum Fremdschämen!

Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass es auch Familien gibt, die dabei angenehm aus der Masse hervorstechen, weil sie die Dinge realistisch betrachten. Weil sie einen ganz bestimmten Grund haben, in ein anderes Land zu ziehen, und nicht nur allgemein unzufrieden sind. Und weil sie das beste Beispiel dafür sind, dass man es nirgendwo schafft, wenn man es in Deutschland nicht schaffen kann.
Da wäre zum einen die Kultfamilie Reimann, die mittlerweile sicher jeder kennt, aber auch die Familie Schimke aus Schweden. Kann sich noch jemand an sie erinnern?

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„Julstaden Göteborg“

Von wegen dunkle Jahreszeit. Göteborg im Lichtermeer

In der dunklen Jahreszeit kann Göteborg touristisch mit dem Prädikat „Weihnachtsstadt“ auftrumphen. Die Kombination von attraktiven Shoppingangeboten und romantischer Feststimmung wird von einem geschickten Stadtmarketing seit 2004 unterstützt – und hat dem Göteborger Handel bisher alle Jahre wieder ein süsses Klingen in den Kassen beschert. Die Zeitung ‚Göteborg Posten‘ teilt mit, dass bereits ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts mit Touristen gemacht  wird. Im vergangenen Jahr kamen 900.000 in die „Julstad“ und kauften Geschenke für 800 Millionen Kronen.

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Der Skandal des Carl Gustavs – ein gefallener König?

Bengt Nyman / Wikimedia Commons

Die meisten von Euch werden sicher die Schlagzeilen der letzten Wochen mit einem gewissen Erstaunen verfolgt haben: König Carl Gustav, ein Monarch und ein angeblicher Edelmann beschmutzt mit Skandalgeschichten ganz Schweden. Er soll nicht nur untreu gewesen sein, sondern dabei auch die Grenzen der Legalität überschritten haben. Von Drogen und Prostitution ist da die Rede.

Zutage gefördert hat all die Geschichten der emsige Journalist Thomas Sjöberg und in seinem Buch „Den motvillige monarken“ („Der widerwillige Monarch“) zusammengefasst.

Dass der König Camilla Henemark, die damalige Sängerin der Band Army of Lovers, als seine Mätresse gehalten haben soll, ist dabei nicht einmal das Schlimmste. Wer will da schon den ersten Stein werfen?

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Ohne Superstars: Länderspiel Schweden – Deutschland

Bei der WM 2006 hieß der Sieger Deutschland. Photo: Wikipedia-user aenneken

Am Mittwoch treffen die Fußball-Nationalteams von Schweden und Deutschland in einem Freundschaftsspiel aufeinander. Das bedeutet haushoher Favorit gegen Fußballzwerg, Vierter der FIFA-Weltrangliste gegen die aktuelle Nr. 36, dreimaliger Welt- und Europameister gegen eine Mannschaft, deren größter Erfolg die WM-Finalteilnahme im eigenen Land war – vor mehr als 50 Jahren.

Die Rollen sind also klar verteilt – und doch sollten sich Joachim Löws Jungs warm anziehen, und das nicht nur, weil es in den hohen Norden geht. Die Länderspielbilanz der beiden Teams spricht nämlich eine ganz andere Sprache. Fast ausgeglichen ist diese Bilanz – von bisher 33 Begegnungen gewann die DFB-Auswahl 14, die Blaugelben gingen immerhin 12 Mal als Sieger vom Platz. Siebenmal hieß es am Ende der 90 Minuten Unentschieden. Schaut man sich die Bilanz der Spiele in Schweden an, sieht es geradezu düster für die Deutschen aus: Bei 16 Gastspielen hagelte es neun Niederlagen. Demgegenüber stehen vier Siege und drei Unentschieden.

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Warum sind alle Schwedinnen blond und leicht zu haben?

Anita Ekberg – Wikimedia Commons

Gestern habe ich seit langem wieder mit meiner schwedischen Freundin Eva telefoniert. Ich fragte sie, ob sie nicht irgendein Klischee kennen würde, mit dem sie selbst im Ausland konfrontiert wird – und nach kurzer Überlegung fiel ihr auch sofort eines ein.
„Im Ausland glaubt man, ich wäre locker, unkompliziert und leicht zu haben“, erzählte sie mir. Wie viele Schwedinnen ist auch Eva bei vielen Männern, besonders in südlichen Regionen, beliebt. Denn sie entspricht dem Klischee: Sie ist attraktiv, blauäugig und naturblond.

Aber warum glauben eigentlich so viele Menschen, dass eine echte Schwedin blond sein muss?

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Vinga – die Pyramide vor Göteborg

Wahrzeichen zur See. Bild: wikimedia.commons, Tor Svensson, CC-BY-SA 3.0

Wer den Schärgarten an Schwedens Westküste liebt, der weiß, dass auch kleine Inseln sehr viel zu erzählen haben. Eines dieser beredsamen Eilande ist Vinga – der westlichste Fleck des Göteborger Stadtgebiets, rund zehn Seemeilen vom Zentrum entfernt. Mit seinem Leuchtturm und der pyramidenförmigen Seemarke ist Vinga weit sichtbares Signal für Seereisende – zugleich Abschied und Willkommen, das erste und letzte Wahrzeichen von Göteborg.

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Wenn die Grenzen zwischen Tag und Nacht verschwimmen

© Rainer Sturm / pixelio.de

Dass viele Schweden unter Winterdepressionen leiden, haben wir hier besprochen. Es ist ja schon bei uns furchtbar, wenn die Sonne schon um 16:00 untergeht. Wie müssen sich da erst die Menschen fühlen, die sehr weit im Norden leben?
Aber es gibt natürlich immer auch eine Kehrseite der Medaille; im wahrsten Sinne des Wortes: Eine Sonnenseite. Denn während es in Nordschweden im Winter fast immer dunkel ist, ist es im Sommer fast immer hell.

Diese langen Tage werden als Polartag bezeichnet. Je höher man in den Norden gelangt, desto länger dauert dieser Tag; ganz nördlich sogar sechs Monate.

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Indiepop-Band Junip – Debutalbum nach 10 Jahren

Foto: Jon Bergmann

Nur wenige hatten noch an dieses Album geglaubt. Nicht einmal die Musiker selbst waren sich sicher, ob es jemals erscheinen würde. Doch nun ist „Fields“ endlich auf dem Markt, das Debutalbum der schwedischen Band Junip.

Selten gab es wohl eine Band, die einen derart langen Anlauf für ihr Erstlingswerk genommen hat. Schließlich wurde Junip bereits im letzten Jahrhundert, genauer 1999, gegründet. Mit dabei Tobias Winterkorn (Keyboards), Elias Araya (Schlagzeug) und José González (Gesang und Gitarre) – eben jener José González, der 2005 mit „Heartbeats“ einen veritablen Hit landete. Der Song dürfte vielen noch aus einem Werbespot für Sony in guter Erinnerung sein.

Nicht zuletzt dem Solo-Erfolg von González mit seinen beiden Alben „Veneer“ (2003) und „In our nature“ (2007) ist es zuzuschreiben, dass die Arbeit an einem Junip-Album immer wieder verschoben wurde. Und zu einer Geschichte ohne Ende zu werden drohte.

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