Kurt Wallander, der außergewöhnlich gewöhnliche Ermittler

Krister Henriksson

Krister Henriksson, Darsteller von Kurt Wallander. Foto: Frankie Fouganthin.

Wer sich für schwedische oder skandinavische Kriminalromane interessiert, der kommt an dem schwedischen Autor Henning Mankell nicht vorbei. Im Stile von Maj Sjöwall und Per Wahlöö erschafft Mankell eine Romanfigur, die inmitten einer gesellschaftskritischen Erzählung ein Verbrechen aufzuklären hat. Kurt Wallander ist Kriminalkommissar in der südschwedischen Kleinstadt Ystad. Während Mankell in seinen Romane nicht gerade Kurt Wallander zum Kern seiner Erzählung macht, sondern ein brisantes Thema vorstellt, so ist es dennoch der außergewöhnlich gewöhnliche Ermittler, der vielen Lesern so am Herzen liegt.

Kurt Wallander und sein Privatleben

Kurt Wallander wird 1947 geboren und wächst zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester Kristina in Klagshamn, etwas außerhalb von Malmö, in einer alten umgebauten Schmiede auf. Nachdem er zunächst Pressefotograph bzw. Opernsänger werden wollte, beginnt Kurt zum großen Unverständnis seines Vaters im Alter von 18 Jahren eine Ausbildung bei der Polizei in Malmö. Wallander heiratet 1970 seine Freundin Mona und noch im selben Jahr kommt ihre Tochter Linda zur Welt. Als Kurt Wallander im Sommer 1976 die Zusage für eine Stelle bei der Kriminalpolizei in Ystad bekommt, zieht er mit ihnen in die Mariagatan, einer Wohnstraße im Osten Ystads. Linda, die nach zwei Selbstmordversuchen eine lange Selbstfindungsphase durchlebt, zieht früh aus und so wohnt Wallander nach der Trennung von seiner Frau alleine. Noch Jahre nach der Trennung hat er große Sehnsucht nach Mona und hofft ständig auf eine Versöhnung mit ihr. Als diese für Kurt völlig überraschend die Scheidung einreicht, versinkt er zum Teil in Kummer und Selbstmitleid.

Wallander ist kein Superheld, aber ein Held unserer Zeit.

Wallander als Ermittler

Wallanderroman. Foto: Hannes Hofer.

Wallanderroman. Foto: Hannes Hofer.

Im Gegensatz zu den hard-boiled Detektiven der Nachkriegszeit verkörpert Mankells Wallander einen neuen Typ Kriminalkommissar. Kurt Wallander kämpft gegen Verbrechen, deren Weitläufigkeit ihn häufig erschüttern lässt. Der in die Jahre gekommene und übergewichtige Kurt Wallander ist dabei kein Philip Marlowe. Er ist nicht der Prototyp des knallharten, unbestechlichen und dennoch sentimentalen Einzelgängers. Einzelgänger ist Wallander schon, doch begleitet wird er von privaten Konflikten und seinen eigenen körperlichen wie psychischen Schwächen – er ist ein Mensch, wie du und ich. Viel zu oft besucht Wallander seine Lieblingskonditorei, hat Vorlieben für Whisky und Kaffee und leidet unter Schlafstörungen. Er ist ein Kommissar, der schüchtern ist und sich nach Zweisamkeit sehnt – und über allem schwebt seine Angst. Die Angst vor dem großen globalen Verbrechen, gegen das er nichts ausrichten kann.

Kurt Wallander als Identifikationsfigur

Was macht diesen melancholischen, introvertierten Einzelgänger dennoch zu einer derart liebenswerten Hauptfigur? Kurt Wallander ist ein Anti-Held, kein Superheld. Er ist ein Mensch. Kein Übermensch. Ja für viele sogar ein Mitmensch. Sein starkes Ehrgefühl und seine gute Moral bieten trotz privater Konflikte und Schwächen dem Verbrechen die Stirn – und das trotz allem mit Erfolg. Kurt Wallander lässt uns nahe an sich heran, man kann seine Gedanken nachvollziehen, seine Schritte mitverfolgen. Gerade diese Mischung aus fähigem Ermittler, der das Böse bekämpft, und lasterhaftem Privatmensch lässt den schwedischen Kommissar aus Ystad zu einer Identifikationsfigur werden und damit so sympathisch wirken. Kurt Wallander ist kein Superheld, aber ein Held unserer Zeit.

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Schweden - ein Paradies für Landschaftsfotografen

Annette Weber

 

Im Norden Europas verändert sich das Spektrum der Sonnenstrahlen, bedingt durch den veränderten Lichteinfall. Das blaue Spektrum nimmt zu. Dieser veränderte Lichteinfall führt dazu, dass die Schatten länger werden und sich die Konturen der Motive dunkler und deutlicher abzeichnen. Eine perfekte Session für einen Landschaftsfotografen, denn die Landschaftsfotografie lebt vom Licht.  Da es in der Natur nicht künstlich erzeugt werden kann, muss man genau dieses Licht effektvoll einsetzen, das die Natur gerade bietet. Die Aufgabe des Fotografen besteht darin, den richtigen Moment zu erkennen,  in dem das Licht die Besonderheit der Landschaft hervorhebt.  Dann muss man nur noch abdrücken und das perfekte Landschaftsfoto ist im Kasten.

In Schweden treffen zwei gute Voraussetzungen für tolle Fotos aufeinander: Der Lichteinfall und das Landschaftsmotiv.

Schweden hat großartige, karge Landschaften, felsige Küsten, lange Sandstände, dunkle Wälder, tiefe Seen und weite weiße Schneelandschaften. Nicht immer scheint die Sonne, aber nach einem Regenschauer sind die Farben satter, und der Wolkenhimmel bietet oft interessante Konturen.

Großartige Motive entstehen auch durch Wasserspiegelungen. Das veränderte Farbspektrum des Lichteinfalls sorgt dafür, dass die kristallklaren Seen die Motive besonders scharf und deutlich reflektieren. Auf die Weise ist es möglich, Fotomotive zu finden,  die sich fast eins zu eins in einem See spiegeln. Fantastische Motive werden einem auf diese Art und Weise geboten.

Auch das Wetter bietet einem Naturfotografen unglaublich viele Möglichkeiten.  Unbelebte Gegenstände  bieten ganz neue Motive, die unter den Auswirkungen des Wetters in einer anderen Dramatik auf den Betrachter wirken. So kann man  eine Küstenlandschaft regenverhangen grau in grau in diffusem Licht wiedergeben,  es kann aber auch ein minimaler Nebelschleier die Szene in eine mystische Landschaft verwandeln.  Auch bizarre Wolkenbilder über einem Landschaftsmotiv sind ein Hingucker. Um die Faszination zu erhöhen, sollte man den Horizont niedrig wählen.

So passt in Schweden alles zusammen, was das Herz eines begeisterten Landschaftsfotografen höher schlagen lässt: ein abwechslungsreiches Farbenspiel durch den Wetterwechsel, ein besonderes Farbspektrum durch die nördliche Lage, eine fantastische und bizarre Landschaft und tolle Reflektionen durch die zahlreichen Gewässer.

 

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