Historisches

Goldenes Kreuz auf blauem Grund

Mal flattert das strahlend goldgelbe Kreuz auf mittelblauem Grund im Wind, mal hängt es schlaff am Fahnenmast – Schwedens Nationalflagge ist allgegenwärtig, nicht nur zu den offiziellen Hisstagen.

Foto: Tage Olsin, Hofres/ Wikipedia

Foto:Tage Olsin, Hofres/ Wikipedia

In seiner heutigen Form wurde das Staatssymbol 1906 offiziell (wieder) eingeführt. Aussehen und Farben sind seit 1982 im schwedischen Flaggengesetz festgeschrieben. Als Zeichen der Verwandtschaft und Zugehörigkeit der nordischen Staaten- und Völkerfamilie trägt die schwedische Flagge das skandinavische Kreuz, auch als Kreuz des Nordens bezeichnet. Als dessen Ursprung gilt das St. Olafskreuz des dänischen Danebrog, dem Urtyp der nordischen Flaggenwelt.

So ist es naheliegend, auch aufgrund der gemeinsamen Geschichte und zeitweiligen Verbundenheit Schwedens mit Dänemark, dass der um 1200 als Flagge aufkommende Danebrog als Vorbild für die schwedische Flagge diente. Doch wie kam es zu Gelb und blau?

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Große Oper auf Drottningholm

Schloß Drottningholm, Bild: Alexis Daflos/ Kungl. Hovstaterna

Willkommen im 18. Jahrhundert und im „Versailles des Nordens“! Welche Kulisse könnte für klassische Opernaufführungen angemessener sein als das königliche Schloß „Drottningholm“ vor den Toren Stockholms? Mit „Don Giovanni“ in der zweiten Saison und jetzt zusätzlich „Cosi Fan Tutte“ zeigt „Drottningholms slottsteater“ diesen Sommer über Mozarts Meisterwerke. Der Ticketverkauf beginnt am 25. März.

Die "Porzellanküche" in Drottningholm, Bild: Åke E:son Lindman

Das Anwesen Drottningholm ist nicht nur zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden, sondern steht auch auf der Liste des New-York-Times-Bestsellers „1.000 places to see before you die“. Ein Stockholm-Aufenthalt ohne Ausflug zum Wohnsitz der königlichen Familie ist somit eigentlich Sünde. Zumal die alten Gemäuer ihren Reiz auch dadurch erhalten, dass König Carl Gustav und Königin Silvia aus den Fenstern des südlichen Flügels geradezu auf die Touristen schauen können. Und vielleicht lässt sich auch umgekehrt ein Blick erhaschen…

Das Barockschloss ist also für die Allgemeinheit geöffnet, selbst dann, wenn die Royals daheim sind. Im Sommer finden regelmäßig Führungen inner- und außerhalb des Schlosses statt; im Park kann man picknicken und die verschiedenen Pflanzenausstellungen bewundern. Im Dezember macht regelmäßig der Weihnachtsmarkt auf Drottningholm von sich reden.

Musikfreunde kommen nach Drottningholm wegen der aufthentischen Opernsinszenierungen im „slottsteater“. Mit dem Theater-Bus von Stockholm ist man in weniger als einer halben Stunde dort – und gleichzeitig zurück im 18. Jahrhundert. Holzbühne und Gestühl sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Authentische Kulissen, alle Aufbauten und die Bühnentechnik stammen noch aus der Zeit, als Königin Lovisa Ulrike ihrem Hofstaat hier musikalische Zerstreuung gönnte.

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25 Jahre Mord an Olof Palme: Teil III – Schwedens ewiges Trauma

Olof Palme im Jahr 1968. Foto: Sten-Åke Stenberg

Im Oktober 1988 sollte wieder Bewegung in die Fahndung kommen, als sich ein neuer Hauptverdächtiger herausschälte: Christer Pettersson. Der Kleinkriminelle passte nicht nur äußerlich zu der Beschreibung des Täters, er wies auch einen auffälligen Gang auf. Vor allem aber wurde er von Lisbet Palme identifiziert.

Pettersson wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur um in zweiter Instanz wieder frei gesprochen zu werden. Lisbet Palme hatte einen Tipp bekommen, wen sie zu identifizieren hatte. Außerdem fehlte die Mordwaffe und nicht zuletzt ein einleuchtendes Motiv.

Nur eine weitere Ermittlungspanne?

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25 Jahre Mord an Olof Palme: Teil II – Die Suche nach dem Täter

Das Aftonblad am 1. März 1986. Foto: Henrik Brameus

Am 1. März 1986 um 0:06 Uhr wird Olof Palme im Sabbatsbergs Krankenhaus für tot erklärt. Währenddessen lässt die Polizei wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen. So dauert es über zwei Stunden, bis das Areal endlich abgesperrt wird, um Spuren zu sichern. Die Kugeln werden dabei nicht gefunden. Erst einige Tage später werden sie zufällig von Passanten entdeckt – jedoch an einer Stelle, die äußerst unwahrscheinlich für den Flugverlauf ist. Wurden sie dort platziert? Die Blei-Isotopenuntersuchung ergibt, dass es tatsächlich die Kugeln sind, die auf Palme abgeschossen wurden. Doch wie konnte man diese bei der Tatortuntersuchung übersehen?

Es sind nicht nur Pannen und Schlampereien, die die Aufklärungsarbeit immer wieder verzögern. Noch schwerwiegender sind die Fehler, die auf höchster Ebene in der Ermittlungsleitung begangen werden: Scheinbar bewusste Fehlentscheidungen, gezielte Desinformation, Kompetenzgerangel und krampfhaftes Festhalten an längst überholten Theorien. Ein Mann spielte dabei eine entscheidende Rolle: Hans Holmér.

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25 Jahre Mord an Olof Palme: Teil I – Protokoll der Tat

Es ist eines der großen ungeklärten Rätsel unserer Zeit. Nun jährt sich das Attentat auf Olof Palme zum 25. Mal.

Olof Palme war von 1969–1976 und 1982–1986 schwedischer Ministerpräsident. Foto: wikipedia-user oiving

Die zwei Schüsse, die am Abend des 28. Februar auf dem Sveavägen in Stockholm fielen, markieren eine Zeitenwende in der neueren schwedischen Geschichte. Denn getroffen wurde damals nicht nur der amtierende Ministerpräsident, sondern auch die schwedische Seele. Bis heute hat sich Schweden nicht von diesem Trauma befreit. Wie auch, wenn weiterhin die zentrale Frage offen bleibt: Wer war der Mörder?

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Haga – Göteborgs erste Vorstadt

Historisches aus Göteborg. Bild: Katja Singer

In Göteborg braucht man nicht bei Adam und Eva anzufangen – die eigentliche Stadthistorie ist kurz: Erst im Jahre 1621 von Gustav II. Adolf gegründet, ist die Kernstadt Göteborgs sprichwörtlich Neuland. Sinn und Zweck der Stadtgründung war vor allem die Verteidigung – gegen die damaligen „Großmächte“ – Dänemark und Norwegen. Da diese sich vehement und ständig gerade um dieses Stück von Schweden zankten, war es nie wirklich als ständiger Wohnsitz attraktiv. Und nur deshalb baute man Göteborg wie ein Bollwerk auf – mit ausgezackten Wallgräben, hohen Mauern und einer aufstrebenden Bebauung im Kern. Die Festungsstadt Gustaf Adolfs gab der Bevölkerung leidlich Schutz vor den immer wiederkehrenden, ermüdenden und blutigen Angriffen. Erst nach dem Frieden von Roskilde 1653 fand die neue Stadt ein wenig mehr Ruhe, um sich weiter zu entwickeln. Mit Hilfe holländischer Baumeister, die sich aufs Trockenlegen verstanden und die zudem hübsche Fassaden schufen.

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Carl von Linné – „Mister Flowerpower“

Carl von Linné um 1739.

Was den Franzosen ein Jean-Jacques Rousseau oder ein Denis Diderot, ist den Schweden „ihr“ Carl von Linné. Die Zeit der Aufklärung hat eben auch im Norden besondere Entdeckungen und moderne Sichtweisen mit sich gebracht. Linné war Naturforscher und Professor der Universität Uppsala, und er baute im frühen 18. Jahrhundert fleißig mit am Fundament der modernen Naturwissenschaften. Somit ragte der Adelsmann aus Småland weit heraus aus einer Gesellschaft, die vieles noch als „gottgegeben“ ansah.

Carl von Linné war zum Beispiel der Erste, der Pflanzen und Tiere systemisch in Kategorien einteilte. Seine „binominale Nomenklatur“ aus dem frühen 18. Jahrhundert gilt in weiten Teilen bis heute für lateinische, wissenschaftliche Namen. Wenn man also von der „Anemone nemorosa“ spricht, meint man damit die Pflanzenart der Buschwindröschen aus der Gattung der Anemonen.

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Lichtgestalt Lucia

Lucia erwärmt die Herzen. Bild: wikimedia.commons, Claudia Gründer, CC-BY-SA 3.0

In Schweden gibt es keinen Nikolaus. Der 6. Dezember ist also ein Tag wie jeder andere. Dafür aber warten alle Kinder und Erwachsenen sehnlich auf Lucia. Das wichtigste Fest in der schwedischen Vorweihnachtszeit findet immer am 13. Dezember statt – und vornehmlich am frühen Morgen.  Dann erscheint Lucia in der Dunkelheit des Winters mit einer Krone aus Licht und schenkt den Menschen – statt Süßigkeiten – Hoffnung und Zuversicht. Nicht umsonst kommt der Name Lucia vom lateinischen „lux“: Licht.

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Nobel-Bankett: Tradition und feierliche Rituale

Schauplatz des Nobel-Banketts im Stockholmer Stadshus. Bild: wikimedia.commons, Fabian Seitz, CC-BY-SA-3.0

Der glanzvolle Abschluss der jährlichen Nobelpreis-Verleihungen ist der „Nobelkväll“ in Stockholm, das sprichwörtlich „noble“ Diner mit den Preisträgern und der königlichen Familie. Das rauschende Fest findet immer am 10. Dezember statt – und wird zumindest teilweise live im schwedischen Fernsehen übertragen. Ein Fest auch für die Regenbogen-Presse, die in den kommenden Tagen ausführlich berichten wird. Und schon heute morgen am Frühstückstisch erfahren die Schweden aus Zeitung oder Radio, wer neben wem an der Tafel gesessen hat und welche Dame mit ihrer Robe modische Trends gesetzt hat.

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