Gepflogenheiten in Schweden

Foto: Martina R.

Wer versucht, das Naturell der SchwedInnen zu beschreiben, läuft oft Gefahr, in Verallgemeinerungen und Stereotypen zu versinken. Dies ist ein Ansatz, die wichtigsten Gewohnheiten der schwedischen MitbürgerInnen darzustellen ohne dabei in Klischees abzudriften.

Begrüßung

Die SchwedInnen sprechen sich mit Du und dem Vornamen an und verwenden nur selten Titeln. Selbst bei ÄrztInnen oder bei Ämtern stellen sich die Meisten mit dem Vornamen vor. Der Chef oder die Chefin wird genauso geduzt wie der Kollege oder die Kollegin. Zur Begrüßung wird das informelle „Hej“ verwendet.

Telefonieren

Du beantwortest Dein Handy in Schweden mit Deinem Vor- oder Deinem Nachnamen oder aber mit beiden Namen. An Wochentagen kannst Du Leute zwischen 9.00 und 22.00 Uhr anrufen, aber rufe an Wochenenden nicht vor 10 Uhr an. Es wird auch als schlechtes Benehmen angesehen, wenn Du Dich nicht vorstellst, sogar wenn die Person, die Du anrufst, nicht die Person ist, die Du sprechen möchtest.

Sei  pünktlich!

SchwedInnen sind besessen in Bezug auf Pünktlichkeit, Tagesordnungen und Zeitplänen. Es gilt als äußerst respektlos, zu spät zu kommen – sowohl beruflich als auch privat. Wenn Du zu spät bist, rufe an und informiere die wartende(n) Person(en) darüber – es wird Dir leicht verziehen. Immer entschuldigen, wenn Du zu spät kommst!

Foto: Martina R.

Geschlechterrollen und Gleichberechtigung

Die meisten Frauen üben ihren Beruf aus. Infolgedessen wird von den Männern erwartet, dass sie sich mehr am Haushalt beteiligen. Die meisten SchwedInnen würden allerdings zugeben, dass die Hausarbeit immer noch größtenteils in den Bereich der Frauen fällt. Manche traditionelle Gesten sind noch aufrecht, wie zum Beispiel das Öffnen der Türen oder der Heiratsantrag – auch wenn es sich hierbei um eine gemeinsame Entscheidung zwischen beiden Parteien zumeist ohne Beteiligung der Familien handelt, fällt dies „noch“ in den Wirkungskreis der Männer.

SonnenanbeterInnen

Bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen schon sitzen viele SchwedInnen auf den Terrassen ihres Hauses oder im Garten eines Cafés, eingehüllt in eine Decke, und genießen so die ersten Ankündigungen des Frühlings, auch wenn dieser bis Mai auf sich warten lässt.

Mittagessen

Die meisten Restaurants bieten täglich Mittagsmenüs an, die durchaus preiswert sind und für viele SchwedInnen die Hauptmahlzeit des Tages bedeuten. KollegInnen gehen oft gemeinsam zum Lunch. Dabei wird auch kein Unterschied gemacht, ob Kollege, Kollegin, Chef oder Chefin oder aber der Partner oder die Partnerin mitkommt. Das Essen ist einfach, es kann aus zwei bis drei Gerichten ausgewählt werden und anschließend geht der eine oder die andere für alle Kaffee holen. Beim Essen wird nicht gewartet, bis alle ihre Mittagsteller haben. Gratis Leitungswasser und Kaffee zum Nachfüllen sind inbegriffen.

Fika

Wer fika nicht kennt, kennt Schweden nicht. Die traditionelle Kaffeepause – die fika – wird in allen Lebensbereichen zelebriert, ob unter der Woche in der Firma, vormittags und nachmittags, im Café als Kaffeerunde oder aber an den Wochenenden, an denen FreundInnen zur fika eingeladen werden – fika gehört zum Tagesablauf der SchwedInnen. Fika beinhaltet meistens – aber nicht immer – etwas zu essen, wie etwa Kekse, Kanelbullar, Kuchen oder auch Sandwich und/oder eine Frucht.

Alkohol

Kein Alkohol unter der Woche und schon gar kein Alkohol zum Lunch. Stattdessen am Wochenende.

Besuche bei FreundInnen und Bekannten

Die SchwedInnen lieben es, Dinge zu planen. Wenn Du jemanden besuchen möchtest, rufe im Voraus an und frage, ob es günstig ist. Ein Schwede oder eine Schwedin findet es vielleicht unangenehm, wenn sein oder ihr Zuhause nicht ordentlich ist oder wenn er oder sie nichts anzubieten hat, wenn Du einen überraschenden Besuch abstattest.

Schuhe ausziehen!

Wenn Du eingeladen bist, ist es üblich, dass Du Dir die Schuhe ausziehst bevor Du die Wohnung betrittst, auch wenn du in feinen Abendkleidern zu einem Diner geladen bist und dich dann zwar in edler Abendrobe jedoch ohne Schuhe im Haus bewegst.

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Monarchie

Die Monarchie wurde bis dato nicht von der Öffentlichen Meinung in Frage gestellt. Der schwedische Monarch ist bodenständig, gut vernetzt und respektiert vom Großteil der SchwedInnen.

Peacekeepers

Die SchwedInnen meiden Konflikte. Sie bevorzugen es,  über ein unangenehmes Problem nicht zu sprechen, als in die Gefahr zu geraten, ihre Stimme erheben zu müssen.

Sprich über das Wetter

Foto: Martina R.

Nachdem  die Herbst- und Wintermonate in Schweden sehr lange sind, sind die SchwedInnen besessen vom Wetter. Sie lieben es, über das Wetter zu sprechen und verwenden es oft auch, um ins Gespräch zu kommen.

Danke

SchwedInnen bedanken sich mehrmals während eines Gespräches. Es kann schwer sein, ein Telefongespräch zu beenden, bevor sich beide Parteien nicht mindestens zweimal bedankt haben.

Understatements

„Jantelagen“ ist ein sehr gebräuchlicher Begriff. Er bedeutet, dass Du niemals denken sollst, dass Du besser als der oder die andere bist. Was SchwedInnen als „prahlen“ bezeichnen, würde in vielen Ländern bedeuten, nur etwas zu sagen, wie es ist.

Das schwedische Geschäftsleben

Das Geschäftsleben in Schweden ist entspannt und freundlich, praktisch und rationell. Es ist von einem unkomplizierten und offenen Umgang miteinander geprägt. Es wird strukturiert und zielgerichtet in Teams gearbeitet. Der Smalltalk wird auf das Nötigste reduziert und man kommt schnell zum Geschäftlichen. Hierarchien sind zweitrangig, Frauen und Männer gleichberechtigt. Wichtig ist, dass Verhandlungen immer auf einen Konsens hinauslaufen sollen und Entscheidungen erst dann gefällt werden, wenn beide Seiten zustimmen.

Geduld und die Warteschlangen – Strategie

Geduld ist ein wesentliches Erkennungszeichen der SchwedInnen. Daher unbedingt anstellen und in Ruhe warten, bis Du an der Reihe bist. Um Warteschlangen einfacher zu machen, gibt es vielerorts einen Ticketautomaten am Eingang. Zieh‘ eine Nummer und warte geduldig, bis sie auf einem Display angezeigt wird.

Kondolenz

Bei Verlust eines Familienmitgliedes, ist es üblich anzurufen und sein Beileid auszudrücken. Wenn es sich nicht um einen engen Freund oder eine enge Freundin handelt, sind eine schriftliche Kenntnisnahme oder auch Blumen, die nach Hause gesendet werden, eine geschätzte Geste.

Süßigkeiten nur am Wochenende

Samstag ist Godis-Tag (Naschtag). Es dürfen Bonbons, Fruchtgummis und Schokolade mit Schöpfkellen aus offenen Bonbonbehältern in eine Papiertüte geschaufelt und zu Hause verzehrt werden.

Haustiere

SchwedInnen lieben ihre Tiere. Katzen und Hunde werden wie Familienmitglieder behandelt und leben meist zusammen mit ihren BesitzerInnen in der Wohnung. Allerdings gibt es Vorschriften, wie ein Haustier zu halten ist. Sie dürfen keinen Lärm machen, der ihre NachbarInnen stört. Wenn sie ihren Hund zu einem Spaziergang ausführen, hinterlassen sie die Spazierwege in gutem Zustand.

 

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  1. Ralf Pichocki sagt:

    Hej.

    Sehr netter Artikel, schön zusammengestellt – aber leider schwer zu lesen 🙁

    Muss es denn tatsächlich dieses sperrige, pseudo-emanzipistische Innen-Deutsch sein?
    Nicht böse sein, sondern trotzdem ein Danke für den Artikel.

    Liebe Grüße, Pi.

  2. Cordula Grobelny sagt:

    ..seh ich auch so, diese Achtzigerjahre- Albernheiten kann man sich wirklich sparen. Ich denke man kann davon ausgehen, dass wir in der Lage sind umzusetzen, dass ein Schwede sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechtes sein kann.

    Schön wäre bei diesem Artikel auch noch ein Eingehen auf die schwedische Langsamkeit grundsätzlich. So ein schnelles Anpacken und „zack, zack – erledigt“ kennt man da ja gar nicht, das ist für uns auch befremdlich.
    Man lässt es immer SEHR langsam angehen und ein Freund von uns, der inzwischen schwedischer Staatsbürger ist und viel für schwedische Handwerksbetriebe arbeitet, hat sich bis heute noch nicht daran gewöhnen können. Auch nicht an die dortigen sehr frühen Mittagspausen, in denen der Handwerker dann grundsätzlich nicht zu sprechen ist und man es ihm nahezu übel nahm, wenn er trotzdem ans Telefon ging…

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