Forsvik – 600 Jahre Industriegeschichte

Industriemuseum Forsviks Bruk

Industriemuseum in Forsvik: „Forsviks Bruk“. Foto: Harri Blomberg /https://commons.wikimedia.org/ (CC BY-SA 3.0)

Forsvik ist ein kleiner, etwas mehr als 300 Einwohner zählender Ort zwischen Schwedens großen Seen Vänern und Vättern. Vor Jahrhunderten schon wurde hier Mehl gemahlen. Holz-und Eisenverarbeitung kamen hinzu – und der Götakanal. Forsvik ist einer der ältesten industriellen Orte Schwedens: Forsviks Bruk beschreibt die rund 600-jährige Industriegeschichte des Ortes.

Forsvik liegt rund zehn Kilometer nordwestlich von Karlsborg, am Übergang des Sees Viken in den Bottensjö. Die Kraft des Wassers, zunächst in Form des Gefälles zwischen den beiden Gewässern bildete die Grundlage für Forsviks industrielle Geschichte, die im Mittelalter ihren Anfang fand.

Am Anfang stand Gut „Forsvik“

Der Ort verdankt seinen Namen dem Gut „Forsvik“. Bereits zum Beginn des 15. Jahrhunderts, als das Anwesen durch eine Schenkung in den Besitz des Klosters Vadstena überging, wird eine Mühle erwähnt.

In der Folge entstanden eine neue Mühle, ein durch Wasserkraft betriebener Hammer sowie ein Sägewerk – die erste schriftlich erwähnte Wassersäge Schwedens. Mit der Reformation fiel der Klosterbesitz an die schwedische Krone. Danach lieferte Forsvik das zurechtgesägte Holz für die durch Gustav Vasa veranlasste Errichtung des Schlosses Vadstena.

Industriemuseum „Forsviks Bruk“

Mit einer königlichen Urkunde begann Ende des 17. Jahrhunderts die Zeit der Eisenindustrie in Forsvik. So erlebte der Ort die Blütezeit des schwedischen Eisens, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichte.

Mit dem Bedeutungsverlust der Eisenproduktion wandelte sich auch das Profil der Industrieanlage Forsvik. Es entstand eine Gießerei, eine mechanische Werkstatt, eine Holzschleiferei. Das Werk erhielt wenig später einen Luftheizungsofen – heute die einzigen erhaltenen ihrer Art in Schweden. Die Wassersäge hatte ausgedient, stattdessen wurde nun mit der Energie einer Dampfmaschine Holz bearbeitet.

Die Produktpalette der „Forsviks Bruk“, der Industrieanlage von Forsvik umfasste ab Mitte des 19. Jahrhunderts Papiermasse und Maschinen. Insbesondere Maschinen für die Landwirtschaft und zur Herstellung von Zellstoff.

Im 20. Jahrhundert folgte der Niedergang von Forsvik Bruk. Die Betriebe schlossen, schließlich machte auch das Sägewerk im Jahr 1999 dicht. Die Anlage verfiel, bis sich ihrer in den 80er Jahren angenommen und mit der Restaurierung begonnen wurde.

„Forsviks Bruk“ steht heute vollständig unter Denkmalschutz und wurde 2008 als „Schwedens Industriedenkmal des Jahres“ ausgezeichnet. Ein Industriedenkmal, das unter anderem durch Führungen, Ausstellungen sowie Musik- und Theaterveranstaltungen mit Leben gefüllt wird.

Älteste Schleuse des Göta-Kanals in Forsvik

Seine industrielle Entwicklung hat der Ort nicht zuletzt dem Göta-Kanal zu verdanken. 1810 wurde in Forsvik mit den Arbeiten an „Schwedens Jahrtausendbauwerk“ begonnen. Heute lässt sich vor Ort die älteste und gleichzeitig höchste Einzelschleuse des Kanals besichtigen, ebenso wie die älteste Eisenbahnbrücke Schwedens.

Mit Forsvik verbunden ist auch die „Eric Nordevall“. Beziehungsweise die heute auf dem Kanal verkehrende Kopie des 1856 im Vättern gesunkenen Seitenraddampfers. Ein Verein baute das Schiff in Forsviks alter Reparaturwerft nach.

Wieder hergerichtet wurde auch die kleine Werkeisenbahn sowie ein Lastwagen aus den 30er Jahren, ein Chevrolet HS 157 aus dem Jahr 1934. Das Fahrzeug soll früher schon im Werksgelände im Einsatz gewesen sein. Nach einigen Besitzerwechseln „fand“ der Oldtimer den Weg zurück und macht heute Werbung für „Forsviks Bruk“.

 

Mehr zum Industriedenkmal von Forsvik, seinen Gebäuden und seiner Geschichte:

http://www.forsviksbruk.se/de/

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