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Jobbcoach

Ich scheine so ziemlich der einzige Mensch zu sein, der positive Erfahrungen mit der Arbetsförmedling, der schwedischen Version des Arbeitsamts, gemacht hat. Der Grund lautet- niedrige Erwartungen. Eigentlich erwartete ich gar nichts von denen. Was ich bekam?

  • drei Monate Arbeitslosengeld mit dem Formular E303
  • eine Mitarbeiterin empfahl mir die Suchseite Workey.se
  • ich durfte einmal dort auf Toilette gehen
  • ich bekam für drei Monate einen Jobcoach an die Seite gestellt.

Während ich das Geld gut gebrauchen konnte, und Workey oft und gern nutze, am meisten profitierte ich von dem Jobcoach.

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Jobsuche in Schweden (4. Vorstellungsgespräch)

Das Vorstellungsgespräch beginnt nicht, wenn du dem Interviewpartner gegenüber sitzt. Es beginnt auch nicht, wenn du die Firma betrittst und dich an der Rezeption mit klammen Händen in das Gästebuch einträgt. Es beginnt in dem Moment, in dem du dein Handy abnimmst.

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Jobsuche in Schweden (3. Bewerbungen schreiben)

Die deutsche Version von „Amazon“ gibt für das Suchwort „Bewerbung“ im Bereich Bücher 5.292 Treffer aus – die sich alle mehr oder weniger widersprechen. Warum so viele Ratgeber? Ich hab dazu zwei Theorien. 1.: Als Deutsche wollen wir immer alles ganz richtig machen. Also brauchen wir jemanden, der uns sagt, was richtig ist. 2.:Wer kauft 5.292 Ratgeber, wenn in allen dasselbe steht?

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Jobsuche in Schweden (2: Jobsuche gesucht)

Der graue Arbeitsmarkt sei der Wichtigste, hatte man mir im Arbeitsamt gesagt. Na, das passt ja, dachte ich mir auf dem Weg nach Hause. Ich starrte durch die schmutzigen Busfenster auf die kahlen Bäume, zwischen denen düstere Felsen aus schmutzigem Schnee ragten. Grauer Arbeitsmarkt, das klingt nach Nebel, nach Moorlandschaft, nichts ist, wie es scheint. Und wenn man nicht aufpasst, versinkt man.

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Jobsuche in Schweden (1. die Gesamtsituation)

Bewerben ist toll. Selten bekommt man so die Möglichkeit, seine Fähigkeiten und Kenntnisse zu präsentieren. Eine Jobsuche eröffnet neue Möglichkeiten, und das befriedigende Kennenlernen der beiden gleichberechtigten Parteien, dem potentiellen Arbeitgeber und dem potentiellen Arbeitnehmer, endet mit einem von beiden Seiten gefassten Entschluss, die berufliche Zukunft gegebenenfalls zu vereinen.
Sowas liest man in diversen Ratgebern, und wer das glaubt, glaubt auch, dass der Mond ein Kanelbulle ist, der jeden Monat von einem Troll namens Milleclas verspeist wird.

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Döda fall

In anderen Ländern versteckt man seine großen nationalen Blamagen. In Schweden werden sie als Sehenswürdigkeiten angepriesen.

Das berühmteste Desaster-stück ist sicherlich die Wasa, dieses Kriegsschiff, dass während seiner Jungfernfahrt in Sichtweite des Hafens sank, und 300 ?) Jahre später mit großen Aufwand geborgen und restauriert wurde. Heute kann man die Vasa in Stockholm bewundern, in voller Lebensgröße und man kann über das Leben damals mehr erfahren- und an einem Computer selbst simulieren, warum das Schiff damals sinken musste.

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Weiße Nächte

Vor zwei Wochen fand das Sommerfest in unserer Firma statt. Unter dem Motto Flower Power ließen wir mit einer original Hippieband und fröhlichen Kleidern so richtig die Sonne in unsere Herzen. Als ich mich schließlich beschwingt von Musik und Bowle nach Hause tappste, war es noch hell. Oder wieder hell? so leicht ist das derzeit nämlich nicht zu unterscheiden.

Dauernd bekomme ich zu hören „Wie hältst du das nur aus mit der Dunkelheit in Schweden?“ Kaum jemand denkt dabei an die Sommertage, die ebenso lang und hell sind wie die Winternächte. Die Tageslänge, wie wir alle noch aus dem Schulunterricht wissen, wird festgelegt durch den Weg der Sonne über den Horizont. Im Winter steht die Sonne über der Südhalbkugel im Zenit, und hier im Norden lässt sich die Sonne nur kurz und unmotiviert blicken. Für einige Stündchen kriecht ein jämmerliches Bällchen am Horizont entlang als würde sie überlegen, ob es sich überhaupt der Mühe lohnt. Aber schon ab Februar werden die Tage wieder länger, bis hin zum längsten Tag des Jahres, der von den Schweden mit dem Midsommerfest gefeiert wird. In dieser Zeit geht die Sonne im Norden des Landes überhaupt nicht mehr unter, und hier in Stockholm sind die weißen Nächte, die Nächte, in denen es nicht dunkel wird.

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Dschungel Schwedisches Gesundheitssystem Teil 3: Krankenhäuser

Das schwedische Gesundheitssystem gehört (wie übrigens auch das deutsche) zu den besten der Welt. Forscher des Stockholmer Karolinska Instituts sind regelmäßige Gäste in nationalen und internationalen Nachrichten. Die Ärzte, aber auch das Pflegepersonal haben einen extrem hohen Ausbildungsstand. Ich habe Leute von schwedischen Krankenhäusern schwärmen hören. Für mich ist das schönste Krankenhaus immer noch das, was ich nur von außen sehen brauche. Aber wenn ich schon ins Krankenhaus muss, dann möchte ich bitte in ein Schwedisches kommen. Womit wir beim Problem wären, beim „kommen“.

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Friskvardsbidrag – bezahltes Sporteln

Hab ich mich gestern gefreut, als meine Gehaltsabrechnung kam! So viele Posten, für die ich Geld bekomme: normale Arbeitszeit, Überstunden, Wochenendzulage, Klettern.

Klettern? Ihr lest richtig. Das Zauberwort heißt „Friskvardsbidrag“, frei übersetzt „Beitrag zu deiner Gesundheit“. Viele schwedische Firmen gewähren diesen Sonderbonus. Die Idee dahinter ist, dass sich alle Bürger um Ihre Fitness kümmern sollen, und hierbei finanziell vom Arbeitgeber unterstützt werden, der seinerseits großzügige Ausgleiche und steuerliche Vergünstigungen vom Staat erhält. Irgendwohin müssen die opulenten Steuern ja verschwinden.

Anrechnen lassen kann man sich alle Arten von Sport, und das meint, alle. Ich hab meine Zehnerkarte von der Kletterhalle eingereicht. Und sie ist anstandslos anerkannt worden. Außerdem anrechenbar sind therapeutische Maßnahmen, wie zum Beispiel Massagen. Vielleicht sollte ich versuchen, die Tickets fürs Faluner Metalfestival anerkennen zu lassen. Headbangen ist Sport. Und gut für die Entspannung ist das auf jeden Fall.

 

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